Dracula im Müllerhaus

Die Kulisse von „Schloß Hagenstein" konnte nicht besser passen, das Schummerlicht der Deele tat ein Übriges. Und Rainer Rudloff, zwischen Kerzenleuchtern im Sofa sitzend, zeitweise im Nebel stehend, machte die Illusion vollkommen! Graf Dracula höchstpersönlich geisterte durchs Müllerhaus, den jungen Anwalt Jonathan Harker in seiner Gewalt.

Wer sich in die Geschichte fallen ließ, sich der Virtuosität von Rudloff und seiner lebendigen Darstellung aussetzte, erlebte Kino im Kopf.

Die handelnden Gestalten aus dem Buch von Bram Stokers schienen leibhaftig und gegenwärtig, allein durch die fast geniale Art, wie Rudloff mit Stimme, Mimik, Gestik und Körpersprache und Aktion die ersten sechzig Seiten des Klassikers darbot.

Es war keine Lesung, es war kein Schauspiel, es war ein spezielles Erlebnis für die knapp 60 Gäste im Müllerhaus an der Harener Mersmühle. Szenenbild und Ambiente, mit Getränken zwischen Tomatensaft und Kir Royal, rundeten die stimmige Inszenierung ab.

Vor allem aber die Art, wie Rudloff, der auch als „Herr der Stimmen" oder als „Klangschürfer" bezeichnet wird, war imponierend. Den Genuss, sich dieser besonderen Art der szenischen Lesung zu öffnen, bestätigten die Gäste mit anhaltendem Applaus.

Wer diesen kulturellen Leckerbissen verpasst hat, sollte sich den 22. November merken. Dann tritt Rudloff erneut im Müllerhaus auf. Um 15:00 Uhr geht es um „Kartoffelbrei und Monsterspinnen".

"Eine Lesung zum Gruseln und Lachen im Müllerhaus, für Kinder ab 10 Jahren" heißt es zwar im Programm. Aber wie sagte Rudloff nach der jüngsten Veranstaltung: „Sie brauchen als Erwachsener kein Alibi-Kind mitzubringen."

epr.Haren 

 

 

 

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