Geologie von Haren (4): Die heutige Warmzeit

In der vor etwa 12.000 Jahren rapide beginnenden jetzigen Warmzeit, dem Holozän, konnte die wärmeliebende Fauna und Flora wieder ins Emsland zurückkehren. Bis auf einigen Ausnahmen glich sie der wärmeliebenden Fauna und Flora der Eem-Warmzeit. Da das Klima in dieser jetzigen Warmzeit in unserer Region atlantisch geprägt ist, das heißt relativ milde Winter, feuchter Frühling, Sommer und Herbst, entsteht in der Regel ein Überschuss von Wasser und es entstanden, als der Mensch noch keinen Einfluss auf das Landschaftsbild genommen hatte, in den Niederungen häufig Seen oder Feuchtgebiete die im Laufe der Zeit verlandeten und sich zu Mooren ausbildeten.

Diese Moore haben bzw. hatten besonders im westlichen Emsland eine enorme Verbreitung. Durch die Torfgewinnung besonders in den zwei letzten Jahrhunderten, sowie durch die Kultivierung nach dem Zweiten Weltkrieg sind große Moorflächen verloren gegangen, deren Überreste heute zu schützen sind.

Der Einfluss der Ems auf unser Landschaftsbild

Vom Drenthe-Stadium der Saaleeiszeit bis frühen Pleistozän existierte ein Flusslauf, der vergleichbar mit der heutigen Ems ist noch nicht. Das baltische Flusssystem und die Urweser (Abb. 2) entwässerten nach Westen durch das heutige Emsland und die Niederlande in die damalige Nordsee. Nachdem die elster,- und saalezeitlichen Eismassen das Ostseebecken ausschürften konnte das baltische Flusssystem nicht mehr bestehen. Auch die Urweser änderte, wahrscheinlich am Ende der Saaleeiszeit, erstmals ihren mittleren und unteren Flusslauf. Im Westen war ihr uralter Flusslauf nun durch Endmoränenzüge des Drenthe-Stadiums versperrt. Sie zwängte sich nun durch die Nienburger Geest nach Norden und schüttete ihre Kiessandkörper nach Norden hin auf.

Für das Emsland trat jetzt die Ems mehr ins Erscheinungsbild. Während ihr Flusslauf im Münsterland im Drenthe-Stadium vom Eis erodiert und später noch nach Westen abgedrängt wurde, verlief ihr mittlerer und unterer Flusslauf, wahrscheinlich am Ende der Saaleeiszeit, nun nach Norden. Hier lagerte sie, wie auch die Hase, ihre Sandmassen ab.

Abbildung 12

Abb. 12: Die nordwesteuropäischen Flusssysteme am Ende der Saaleeiszeit. Auch die Ems (1) dürfte seit dieser Zeit erstmals ihren Verlauf nach Norden gerichtet haben. Darstellung nach Zagwijn 1985, History of the northwest European rivers during the past three million years, Cambridge

In östlicher Richtung dürfte die Ems, zumindest was das Harener Gebiet betrifft, nicht so sehr mäandriert haben. Die von der Saaleeiszeit gebildeten Geestkörper bei Emen und Raken stellten eine natürliche Barriere dar. Auch hier sind markante Abbruchkanten zu finden.

Abb. 13: Das Eiszeitalter in Niedersachsen und geologische Prozesse im Emsland Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, 2004

Abbildung 13

Dank: Der Autor dankt Herrn Dipl. Geol. Dr. Eckhard Speetzen, Steinfurt-Borghorst für die Durchsicht dieser Arbeit, Herrn Dipl. Geol. Prof. Dr. Klaus-Dieter Meyer, Burgwedel-Oldhorst für die Bereitstellung der Daten der Kieszählung aus Lindloh sowie Herrn Hermann Büter, Haren-Altenberge für die Bereitstellung einiger Proben Lauenburger Tons aus der Kleikuhle Altenberge.

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